Datenanalyse der Winnetou-Debatte

Der erfundene Shitstorm: Chronologie eines Medienversagens

Seit der Ravensburger Verlag am 19. August 2022 ein Begleitbuch zu dem Film „Der junge Häuptling Winnetou“ zurückgezogen hat, tobt in den Medien eine Diskussion über Zwang, Zensur, Gedankenkontrolle, Cancel Culture, Sprechverbote, Bücherverbrennung, Woke-Wahnsinn, linke Aktivistengruppen und eine angebliche Bedrohung der Demokratie. Nach nur einer Woche gibt es weit mehr als 100.000 Beiträge (zum 02.09.22: 150.000), die insgesamt millionenfach geliked, geteilt und kommentiert wurden – unter ihnen 8.600 redaktionelle Artikel und davon 3.200 von Tageszeitungen und Nachrichten-Magazinen. Der Tenor: Heftig laute, aber unlautere Kritik durch „woke Gruppen“ in den sozialen Medien hätte den Verlag in einem Shitstorm so sehr unter Druck gesetzt, dass er letztlich gar nicht anders konnte (oder das zumindest dachte), als sich einer „radikalen Minderheit zu unterwerfen“. Die aufgebrachte Menge sieht eine „Tyrannei der Polictical Correctness“ und wehrt sich heftig gegen jede Form von Verbot. 

Datenanalysen zeigen jedoch: diesen Shitstorm über das Buch oder den Film gab es nie, ebenso wenig wie Forderungen nach Verboten. Beide sind vielmehr eine Erfindung findiger Journalisten und Populisten, die entweder medieninkompetent sind oder aus politischem Interesse bzw. aus wirtschaftlichem Kalkül hetzen. Und viele andere Journalisten, Politiker, CEOs und Bürger sind darauf hereingefallen und haben sich instrumentalisieren lassen. Nach eigenen Aussagen hat der Ravensburger Verlag die Kritik ihrer Community ernst genommen, einen Fehler eingesehen und daraufhin eine unternehmerische Entscheidung getroffen. Nur passt das wohl nicht in das Weltbild (und das Geschäftsmodell) einiger Verlage. Also erfanden sie den „woken Shitstorm“, verbreiteten haufenweise Verzerrungen und inszenierten erst damit die Aufregung, die wir jetzt erleben: einen „antiwoken Shitstorm“, der seinesgleichen sucht. Und sie verhinderten dabei noch ganz nebenbei, dass wir uns inhaltlich mit der Frage auseinandersetzen, ob rassistische Stereotype auch dann problembehaftet sind, wenn sie vermeintlich positiv oder gut gemeint sind, und wie wir mit denen umgehen. Unser Mediensystem ist kaputt. 

Eine Debatte, die einer aufgeklärten Demokratie unwürdig ist

Nach Auswertung der Daten aus dem Internet mit dem marktführenden Analyse-Tool Talkwalker zeigt sich, dass die aktuelle Diskussion um Winnetou eine perfekte Scheindebatte ist, die aber echte Wirklichkeit kreiert. Die Hysterie über die angebliche Diktatur politisch überkorrekter Minderheiten und eine angebliche Bedrohung der Demokratie im Zusammenhang mit Winnetou erweist sich als substanzlos: Aus den Daten lässt sich keinerlei signifikanter und illegitimer öffentlicher Druck durch irgendwelche Aktivisten auf Ravensburger belegen. 

Was jedoch erkennbar ist: Es gab es tatsächlich Kritik. Nicht an Winnetou an sich, sondern an dem neuen Film. Allerdings nicht von ominösen „woken Linken“, sondern von renommierten Journalisten, von der Filmförderung, von Indigenen, von Kinobesuchern, von Wissenschaftlern und von Ravensburger-Kunden. Und was weiterhin erkennbar ist: Vor allem die BILD fährt eine kaum fassbare Verzerrungskampagne und verdient dabei unfassbar viel Geld. 

Was die Daten für Rückschlüsse nahelegen: 

Anlass für den Shitstorm war nicht irgendeine massive, laute Kritik an Ravensburger oder dem Winnetou-Film durch „Agitatoren“ (BILD), sondern einzig und allein die völlig beiläufige Ankündigung von Ravensburger, das Buch nicht auf den Markt zu bringen. Nach eigenen Worten tat der Verlag dies aber nicht, weil sie ein-geknickt waren, sondern weil sie ein-gesehen haben, dass sie einen Fehler gemacht hatten. Und das war nur ein Kommentar zu einem Instagram-Post. Wie hätten sie auch ahnen können, was dann passiert. 

Auslöser für den eigentlichen Shitstorm war die Verdrehung der Tatsachen in den Medien, wobei man wohl sagen muss: durch die BILD. Sie glaubten Ravensburger nicht, witterten auch Interesse bei ihrem Publikum und unterstellten, sie wären eben eingeknickt, hätten sich „selbst zensiert“ und würden sich „radikalen Minderheiten“ unterwerfen. Unterstützt haben das bereitwillig viele Politiker, stellvertretend für sie Markus Söder, der völlig uninformiert (und faktisch falsch) kritisiert, dass man sich „der lauten Meinung weniger beugen sollte“ und auch „die ARD deswegen keinesfalls Winnetou verbannen dürfte“.  Dabei gab es weder „laute Meinungen“ noch hat irgendjemand, schon gar nicht die ARD, irgendwann vorgehabt wegen dieser Meinungen „Winnetou“ zu verbannen. Söder hat sich hier schlichtweg von der BILD für ihre Woke-Hetze und ihr Geschäftsmodell instrumentalisieren lassen. Die Lüge bestand vor allem darin, zu suggerieren, dass „Winnetou verboten“ werden sollte. Niemals, nicht mal im Ansatz ging es um „Winnetou“, auch nicht um die Bücher von Karl May, erst recht nicht um die Filme aus den 60er Jahren, nicht einmal der aktuelle, neue Kinderfilm. Gegenstand der Diskussion ist hier ausschließlich ein Merchandising Produkt zu dem neuen Film, das selbst keinerlei eigenständigen literarischen Wert hat. Der Bevölkerung wurde – auch von Söder – weis gemacht, man wolle ihr „Winnetou“ ingesamt wegnehemen, was ein haarsträubender Unfug ist. 

Verstärker waren einerseits weitere Journalisten, die das Narrativ des „Öffentlichen Drucks aus dem Internet“ einfach von anderen abgeschrieben und nachweisbare Lügen und Verzerrungen der BILD einfach übernommen haben, sowie vielfache Kommentare von Prominenten, Politikern und selbst CEOs, welche das Narrativ von Sprechverboten, Zensur und Bücherverbrennung einfach ohne weitere Prüfung übernommen oder gar weitergesponnen haben. Auch die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schopper fabuliert etwas davon, dass man dann ja alle Kinderbücher, auch zum Beispiel den Struwwelpeter, „verbieten müsste“ – und übersieht dabei erneut, dass erstens niemals irgendjemand etwas „verbieten“ wollte, und dass es niemals um frühere Werke ging. Die Posse gipfelte darin, dass ab dem 26. August auch noch die bereits zwei Jahre zurückliegende Entscheidung der ARD, die Winnetou-Filme nicht weiter zu lizensieren, in aktuellen Zusammenhang mit diesem Thema gebracht wurde, und die BILD mutmaßt, das liege daran, weil man jetzt nicht mehr „Indianer“ sagen dürfe. Kronzeugin der BILD war eine „verantwortliche Redakteurin des RBB“, die sich dann als die verantwortliche Redakteurin für das Sandmännchen entpuppte. Abgesehen davon, dass die Winnetou-Filme bei ZDF weiter voll verfügbar sind. 

Ursache ist die Überforderung und (man muss es wohl sagen:) die mediale Inkompetenz von Journalisten und Meinungsführern. Hätten die Journalisten auch journalistische Standards eingehalten, wäre das nicht passiert. Das ist mutmaßlich aber nicht (nur) ein individuelles, sondern ein systemisches Problem: Verlage würden sich um ihren wirtschaftlichen Erfolg bringen, wenn sie nicht auf diese Erregungswellen aufspringen. Und soziale Medien belohnen eben nur Nachrichten, die Erregung triggern. Am besten Hass und Hetze. Egal, wie dumm oder faktisch das ist. Dazu kommt, dass viele Medien unter so wirtschaftlichem Druck und gleichzeitig so sehr unter Nachrichtenstress sind, dass kaum ein Redakteur mehr die Zeit bekommt, auch nur ansatzweise verantwortlich zu recherchieren. Und Politiker „plappern“ wirklich völlig ungeprüft und unreflektiert Dinge nach, die sie irgendwo gelesen haben, ohne deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen – zumindest wenn die vermeintliche Botschaft in ihre Agenda passt. 

Opfer ist möglicherweise unsere Demokratie. Die lebt davon, dass wir als „als Volk“, von dem in einer Demokratie ja alle Macht ausgeht, angemessene Meinungen bilden können, um dann kluge Entscheidungen zu treffen. Für diesen Prozess spielen die Medien (inklusive der sozialen Medien) eine wichtige Rolle. Nur leider treffen wir Entscheidungen auf Basis von Informationen, die politische Populisten oder skrupellose Redaktionen lancieren, welche die kranke Mechanik der Sozialen Medien gnadenlos ausnutzen. Die Mechanik lässt sich leider auch bei vielen anderen Themen erkennen: Gendern, Leyla, Cancel Culture, aktuell gibt es viele Themen, die nach dem genau gleichen Muster vergiftet werden. Vorbild für die BILD ist ganz offensichtlich FOX-News in den USA, wo diese Mechanik und vor allem FOX den Erfolg von Donald Trump erst möglich gemacht hat. 

Leidtragende ist die Sache. Denn anstatt dass wir uns inhaltlich mit der Frage auseinandergesetzt hätte, wie wir mit gut- oder nicht-so-gemeintem Rassismus umgehen, hat die Hysterie fast jegliche inhaltliche Auseinandersetzung verhindert und die Gesellschaft weiter polarisiert. Stattdessen haben sich alle nur über etwas aufgeregt, was es gar nicht gibt. Und alle waren damit beschäftigt, quasi präventiv zu betonen, dass sie ja nun ganz bestimmt keine Rassisten seien. Obwohl das niemand gesagt hat. 

Profiteurin ist hoffentlich unsere Demokratie. Nämlich dann, wenn wir daraus lernen. Ich bin mir noch nicht sicher aber hoffnungsstark.

Disclaimer: Warum steht dieser Text auf der Seite von Scompler? 
Wir sind ein strategisches Beratungsunternehmen für Kommunikation. Wir haben lange auch Unternehmen in Sachen Krisenkommunikation beraten, vor allem im Social Web, unter anderem die Deutsche Bahn ab dem Jahr 2010. Aus diesem Projekt ist Scompler entstanden. Scompler ist ein „Content Command Center“ ein strategisches Kommunikations-Management-System, das unter anderem in Newsrooms eingesetzt. Es beinhaltet auch Medienbeobachtung. Und wir beschäftigen uns stark mit dem Medienwandel und was das für die Unternehmenskommunikation bedeutet. In diesem Zusammenhang sind solche Vorkommnisse für uns und unsere Kunden relevant. Wir haben das Thema untersucht, fanden es sehr interessant und wollten unsere Erkenntnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. 

Worum es eigentlich geht

Bei der ganzen Hysterie ist es wichtig, noch mal zu sagen, worum es eigentlich geht: Nämlich um einen neuen Film, der im August 2022 in die Kinos gekommen ist: Der junge Häuptling Winnetou„. Das ist ein Kinderfilm, der außer den Namen nichts mit den Karl-May-Filmen und Büchern zu tun hat, die die Helden unserer Jugend waren. Gar nichts. Allerdings werden die Bücher und die Filme von Karl-May schon seit Jahrzehnten als tendenziell rassistisch kritisiert. Hier geht es um „gut gemeinten“ Rassismus, also dass die Karl-Mayschen Indianer alle gut und edel sind, aber dass diese Bild nichts mit der Wirklichkeit der Indigenen zu tun hat. Die alten Karl-May-Werke würden nicht genug berücksichtigen, dass die „Cowboys“ (unter ihnen auch Old Shatterhand) nicht die „Helden des Westens“ waren, sondern Kolonialisten, die einen Genozid an der amerikanischen Urbevölkerung verübten: Sechs Millionen tote Indigene, so viele wie tote Juden im Nationalsozialismus. Karl May habe stattdessen unser Bild von Indianern entscheidend geprägt, in dem sich Fiktion und Wirklichkeit vermischen. 

Diese Diskussion wurde bereits breit geführt, und ist an sich nicht problematisch. Man hat auch immer gesagt, dass man Karl May natürlich auch im historischen Kontext sehen muss, und niemand hat jemals gefordert, die Bücher zu verbieten. Aktuell ist die Diskussion wieder nach oben gespült worden, weil auch der neue Film die alten Stereotype völlig unkritisch wieder aufnimmt, wie vor 100 Jahren, aber auch wie in den 60er Jahren. Es gibt viele Stimmen, die gefragt hatten, ob man den neuen Film nicht als Gelegenheit hätte sehen können, dieses Thema etwas differenzierter zu betrachten, und auch Kindern mehr Wissen über die Hintergründe zu vermitteln. 

Die Chronologie

Um noch einmal die Chronologie deutlich zu machen. 

01. August 2022: Erste Previews zum neuen Kinofilm „Der junge Häuptling Winnetou“ werden gezeigt
10. August 2022: Die Promotion zum Kinostart beginnt (allerdings ohne jegliche Resonanz)
11. August 2022: Ravensburger kündigt ein Begleitbuch zum Film auf Instagram an
19. August 2022: Ravensburger kündigt im selben Post an, dass sie das Buch doch nicht veröffentlichen
21. August 2022: Medien (vor allem die BILD) greifen die Meldung von Ravensburger auf
26. August 2022: Medien (vor allem die BILD) legen mit der Meldung über die ARD nach. 

Der 19. August ist ein entscheidendes Datum. Da hat Ravensburger die Entscheidung auf Instagram verkündet, das Buch nicht zu veröffentlichen. Der angebliche Druck, vor dem Ravensburger eingeknickt ist, muss also zwingend irgendwann vorher stattgefunden haben!

Der Gesamtverlauf der Diskussion über "Winnetou"

Die Datenanalyse zeigt, dass es vom 01. Mai 2022 bis zum 27. August 2022 knapp 100.000 Beiträge im Internet gab, Tendenz weiter wachsend). Das betrifft alle Medien, sowohl Social Media als auch Nachrichten-Portale und Zeitungen. Auffällig ist, dass es vor dem 19. August, also dem Datum, als Ravensburger mitteilte, dass sie das Buch zurückziehen, kaum Aktivitäten zu Winnetou gab. 

Ab dem 22. August sind dann die Zahlen zu den Aktivitäten quasi explodiert. Also nachdem die Medien das Thema verfälscht und behauptet haben, Ravensburger sei unter dem Druck von radikalen Minderheiten eingeknickt. 

Am 25. August flacht dann die Kurve zunächst ab, bevor sie am 26. August, nach der ARD-Meldung, wieder nach oben schießt. 

Was vor dem Sündenfall geschah

Die Analyse der Daten vor dem 19. August, also der Mitteilung von Ravensburger, gab es nur geringe Aktivitäten zum Stichwort „Winnetou“. Das waren aber überwiegend allgemeine Beiträge zu Winnetou, meistens völlig ohne Bezug zu dem neuen Film oder Rassismus oder Ähnliche. Von „Shitstorm“ gibt es hier also überhaupt keine Spur. 

Die Grafik ist bewusst deutlich flacher gehalten, um die Verhältnisse wenigstens einigermaßen in Relation zu setzen. Tatsächlich müsste die obere Grafik noch viel höher sein: Die Werte oben reichen von 0 bis 21.000, die unteren von 0 bis 260. Die Höhe der unteren Grafik durfte eigentlich nur 1/10 so hoch sein. Was man hier in der unteren Grafik quasi als Vergrößerung sieht, ist in der obigen Grafik ganz genau so als winziger Ausschlag zu erkennen. 

Und was davon bezog sich auf Ravensburger?

Spannend wird es, wenn man sich jetzt anschaut, wie viele dieser Veröffentlichungen tatsächlich den neuen Film, „Der junge Häuptling Winnetou“ betreffen. Hier zeigt sich vor dem 19. August nur eine verstärkte Aktivität vom 08. bis 10. August mit 150 bis 200 Postings pro Tag. Ansonsten ruhte der Silbersee abgesehen von ein paar kleinsten Wellen absolut still.

Auch hier geben die Daten genauen Aufschluss: Das sind fast alles Meldungen, in denen der Start des neuen Films angekündigt wird. Der offizielle Start des Films war am 11. August, und die Kampagne des Verleihs zum Kinostart begann am Anfang August. Vorher gab es schon einige Hinweise auf diverse Previews in den Kinos. Was hier aber auch deutlich wird: Offensichtlich hat niemanden der Start des Films interessiert! Die 150 bis 200 Postings sind sogar überwiegend Pressemitteilung in regionalen Online-Medien.

Unter den rund 400 Beiträgen, die dem Rückzug durch Ravensburger unmittelbar vorausgehen, gab es auch vereinzelte Kritik. Aber man kann ganz klar sagen: Ein irgendwie geartet starker Druck ist definitiv und eindeutig nicht erkennbar. 

Und genau auf diese Ergebnis deutet auch die Analyse des Hashtags „Winnetou“ bei Twitter. Hier muss man wohl sagen, dass die Bezeichnung „antiwoker Shitstorm“ wohl richtig ist. Es waren also keine „woken Aktivisten“, sondern eben „anti-woke…“ ja was auch immer. 

Und schließlich erkennt man genau das gleiche Muster auch in den Suchanfragen von Google. Hier das Chart von Google Trends. Es gibt wieder, wie stark die Bevölkerung in Deutschland nach dem Begriff „Winnetou“ gesucht hat. Im Rahmen dieser Debatte haben Menschen also nach weiteren Informationen gesucht. 

Um das mal einzuordnen: Das Interesse an „Winnetou“ (blaue Linie) war deutlich größer als das Interesse an „Strompreis“ (gelbe Linie) und „Inflation“ (grüne Linie). Es erreicht sogar bald das Interesse an „Benzinpreis“ (rote Linie) im März 2022, als der Preis für Diesel innerhalb weniger Tage von 1,65 EUR auf mehr als 2,30 EUR sprang!  

Absahnen tut vor allem der Springer-Verlag

Die Datenanalyse zeigt, dass das Thema massiv von „klassischen“ Medien getrieben wird, also von Tageszeitungen, News-Portale, Nachrichtenagenturen und Online-Medien, in denen ausgebildete Journalisten sitzen. 

Die Analyse zeigt weiterhin, dass fast ausschließlich der Springer-Verlag Profiteur der Hetze ist und hauptsächlich weiter verbreitet wird. Hier die Top 8 der Beiträge nach „Engagement“, also wie viele Menschen auf die Artikel reagiert haben. Nur der Focus konnte da noch mithalten, indem sie auf die Ente mit der „Zensur“ durch die ARD mit aufgesprungen sind. 

Welches Kalkül dahintersteht, illustriert ein Satz von dem ehemaligen Chefredakteur der BILD, Julian Reichelt: „Nichts hat uns ganz nachweislich wirtschaftlich in der Reichweite so sehr geschadet wie unsere klare, menschliche, empathische Haltung in der Flüchtlingskrise“, sagte er bei der Konferenz „Formate des Politischen“ in Berlin (Quelle). Nach dieser Erkenntnis hatte die BILD ihre Haltung geändert, wieder stark gegen Flüchtlinge gehetzt, und so wieder wirtschaftlich profitiert. 

Sehr viel sachliche, ernst zu nehmende Kritik

Das Kernproblem ist, dass sich sehr schnell ein Narrativ durchgesetzt hat, dass Ravensburger das Buch nur zurückgezogen hat, weil sie durch einen „Shitstorm“ unter Druck gesetzt wurden, weil es Kritik nur von „woken Gruppierung“ gab, weil die Kritik „besonders laut“ war und ähnliches. 

Dieses Narrativ versucht, die Kritik an dem Film zu delegitimieren. Klar, wenn die Kritik nicht legitim war, war die Entscheidung natürlich falsch und ist nicht nachvollziehbar. Die Daten zeigen ganz eindeutig und ohne jeden Zweifel, dass es definitiv keinen „Shitstorm“ gab, auch kein „lautes Geschrei von einer Minderheit linker Agitatoren“ oder irgendetwas in dieser Art. Ja, es gab Kritik, die war aber durchaus leise, und vor allem: Sachlich. 

Aber die Daten zeigen auch: Es gab nach der Entscheidung von Ravensburger, die sachlich absolut begründbar ist, ein Geschrei, das in der Geschichte der Shitstorms ihresgleichen sucht. Und das ist der Grund, warum der Fall „einer Demokratie unwürdig“ist, wie wir oben schrieben. Hier wird sachliche Kritik absolut niedergeschrien und durch Lügen delegitimiert. 

Hier nur ein kleiner Ausschnitt der sachlichen Kritik: 

 Im MDR Podcast wird etwa Ende Juni gefragt, ob Karl-May-Spiele noch zeitgemäß sind.

• In einem Interview im Stern spricht sich Kendall Old Elk, einem der wenigen Native Americans in Deutschland, klar gegen die Narrative rund um Karl May aus. 

• Carmen Kwasny, die Vorsitzende der „Native American Association of Germany“, kritisiert im Interview mit Deutschlandfunk Kultur, dass „Der junge Häuptling Winnetou“ zahlreiche Klischees transportiere. 

• Tyrone White, ein im Rheinland lebender Indigener, meint im gleichen Interview, dass der Film die Geschichte der indigenen Völker Amerikas zu Unterhaltungszwecken trivialisiere. 

• Und in einem anderen Interview mit Deutschlandfunk Kultur fragt Ethnologe Markus Lindner, was denn Drehbuchautoren hindere, fiktionale Bücher oder Filme zu machen, bei denen sorgfältig recherchiert wird.

• Die ZEIT merkt an, dass hier „in Deutschland ausgedachte Apachen“ in die heutige Zeit holt, ohne zu beachten, wie sich das Thema seit den letzten Filmen in den 60er Jahren verändert habe: „Kurios und lieblos“ und „im Geiste der Mini-Playback-Show“. 

•  Selbst in der FAZ, in der nun nicht unbedingt ein progressiver Wind weht, mein Claudius Seidl, das die Erzählung „vielleicht kein böser Rassismus“ sei. Aber: „Es ist aber dumm, provinziell, ignorant und arrogant gegenüber beiden: der Geschichte und Realität der indigenen Amerikaner.“ 

• Oder die Frankfurter Rundschau zerreißt den Film in einer KinokritikUnd auch von Kinobesuchern kommt ein sehr geteiltes Echo

• Und die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) hatte den Film als „besonders wertvoll“ eingestuft. Die Entscheidung war allerdings knapp und sehr umstritten. Zwei von drei Jury-Mitgliedern bezeichneten den Film als „kitschiges, rückwärtsgewandtes Theaterstück“. Und die Vorlage von Karl Mays sei „eine Lüge, welche den Genozid an den Ureinwohnern Amerikas“ ausblende. Die vollständige Begründung mit der zum Teil heftigen Kritik findet man auf der Seite der Filmbewertung, sie ist allerdings schwer zu finden. Man muss hier ganz runter scrollen und dann auf den Reiter „Jury-Begründung“ klicken

Nach ihrer Meinung ist es in unserer Zeit nicht mehr zulässig, einen Film und im Besonderen einen Kinder- und Jugendfilm im Geist der mythisch aufgeladenen und sehr klischeehaft darstellenden Karl May–„Folklore“ zu realisieren. So sei dieser Film ein kitschiges rückwärtsgewandtes Theaterstück, das nichts mit der Realität zu tun habe. Karl Mays literarische Idylle im Herkunftsland der indigenen Völker Nordamerikas sei, so die Aussage der Jury-Mitglieder, eine Lüge, welche den Genozid an den Ureinwohnern Amerikas und das ihnen zugefügte Unrecht der Landnahme der weißen Siedler und der Zerstörung ihres natürlichen Lebensraumes vollkommen ausblenden würde. Die im Film gewählte Ausstattung, die Darstellung der indigenen Menschen, die musikalische Untermalung und der Inszenierungsstil würden sich den verkitschten Karl May–Filmen der 1960er Jahre anpassen.

Und was sagen die Betroffenen?

Hier übrigens eine Stimme dieser angeblichen „radikalen Minderheit“ und der Agitatoren, die der Mehrheit in Deutschland vorschreiben will, was sie lesen und ansehen dürfen.

@justmyindigenousthoughts Man kann nicht in 3 min packen was ich alles dazu sagek möchte.. für weitere meinungen über winnietou folgt natives_in_germany auf !sta &Danke an alle die mir das video gezeigt haben und kommentare unter derne vidwo hinterlassen (haben) y’all got my heart 🫶🏽 #stitch #whitesaviorcomplex #indigenousbaddie #indigenaenalemania #fetisization #stopitwhiteppl #cultureappropriation#redface#wtf#viral#fyp ♬ Originalton - laulii710

Die unfassbar infame Verdrehung der Tatsachen in den Medien

Was mich teilweise fassungslos macht, mit welcher Unverfrorenheit (oder bodenloser Inkompetenz) Redaktionen die Tatsachen ins Gegenteil drehen.

So schreibt zum Beispiel die Berliner Zeitung;

In der Debatte um das gecancelte Indianer-Buch „Der junge Häuptling Winnetou“ reden wahre Indianer jetzt Klartext! Hintergrund: Der Verlag Ravensburger nahm das Buch vor wenigen Tagen aus dem Handel, weil in den sozialen Medien Rassismusvorwürfe laut geworden waren. Die Kritik: kulturelle Aneignung.

Doch Angehörige der vermeintlich diskriminierten Minderheit hat der Verlag vor seiner Entscheidung offenbar nicht befragt. Denn die stören sich am Winnetou-Buch überhaupt nicht, ärgern sich über den Ravensburger-Rückzieher!

Das hat sie wieder von der BILD Zeitung abgeschrieben.  BILD hatte bei indianischen Darstellern im Themenpark „El Dorado Templin“ nachgefragt. Einer davon: Kendall Old Elk (51). Er zu BILD: „Ich glaube, das ist eine Überreaktion. Dass der Verlag die Bücher vom Markt genommen hat – warum? Das ist etwas zu viel des Guten. Warum müssen wir jede Person mit einem Etikett versehen? Wir sind doch alles Menschen.“

Der Punkt ist: Ja, das hat er gesagt. Nur hat er das im Rahmen eines viel längeren Interviews gesagt, nämlich im STERN. Und Kendall Old Elk ist genau dergleiche Mann, der direkt hier drüber im Vode vorkommt. Und ja, er sagt, das Buch hätte nicht gleich vom Markt genommen werden müssen, aber inhaltlich sagt er genau das Gegenteil! 

Zitat: „Es wäre besser gewesen, es sein zu lassen. Das Werk steht in einer langen Tradition an Stoffen, die besser nie publiziert worden wären.“ Und er meint damit „den jungen Häupling Winnetou“!

 

Leider ist der Artikel hinter der Bezahlschranke. Deswegen können andere Journalisten auch nicht recherchieren und schreiben nur von der BILD ab. Ich habe die 2 EUR invetsiert, um tatsächlich herauszufinden, was er sagt. Und das ist unter anderem:  

Was, wenn Ravensburger nicht eingeknickt ist, sondern einfach "gelernt" hat?

Dazu gab es auf dem Instagram-Kanal und zu der Ankündigung von Ravensburger vom 11. August einiges kritisches Feedback. Nach Aussage von schwaebisch.de, die als Erste am 19. August berichteten, waren es 180 Kommentare. Auch das ist weit entfernt von einem „Shitstorm“ – und das kam von Ravenburger Fans. Unter anderem wurde kritisiert, dass in dem Film rassistische Stereotype wiedergegeben würden, die ihren Ursprung im Kolonialismus haben. Und das ist unbestreitbar. Immerhin ist Winnetou ja „ein Erlebnisbericht aus der Zeit, als der weiße Mann den Weg für das Feuerross durch die Jagdgründe des roten Mannes baute.“ (Zitat des offiziellen Film-Trailers zu Winnetou 1 aus dem Jahr 1963) 

Was, wenn Ravensburger mit dieser ganzen Kritik das gemacht hat, was vielleicht vernünftig ist, und sie ernst genommen hat? Und genau das schrieb Ravensburger (siehe oben im Instagram Post)

„Die Entscheidung, die Titel zu veröffentlichen, würden wir heute nicht mehr so treffen. Wir haben zum damaligen Zeitpunkt einen Fehler gemacht und wir können euch versichern: Wir lernen daraus!“

Und genau das war es dann am Ende wohl. Ravensburger hat seinen Kunden zugehört und anderen im Markt und hat eingesehen, dass es keine gute Entscheidung war. 

Und jetzt kommt der Punkt: Zuzuhören, zu lernen, und seine Meinung zu ändern, ist kein Einknicken, das man massiv kritisieren muss. Im Grunde ist das anerkennenswert. Aber für einen Großteil in Deutschland ist das absolut keine Option: „Nein, wir kapitulieren nicht!“

Und anstatt man Ravensburger dann beim Wort nimmt, unterstellen ihnen alle Selbstzensur, Einknicken und klein beigeben. Also ja, vielleicht steckt mehr dahinter. Vielleicht hat Ravensburger gelogen, und sie hatten wirklich Angst. Nur gibt es eben dafür keinerlei Indiz.- Sie haben es anderes gesagt, und ein Druck von außen ist nicht erkennbar. 

 

„Rassismus“ ist nur der Auslöser

Und noch zum Abschluss: Wir haben uns das Thema nicht deswegen angeschaut, weil wir denken, dass Karl May, seine Bücher, die berühmten Filme aus den 60er-Jahren oder der aktuelle Film ein massives Problem darstellen. Wer sich sachlich mit den Werken Karl Mays und den Filmen auseinandersetzt, wird ganz neutral feststellen, dass sich der Vorwurf von „Rassismus“ ganz sachlich belegen lässt, dass das Gesamtwerk aus vielen Perspektiven problematisch ist. Und man wird feststellen, dass diese Kritik mitnichten nur von „woken linken Aktivisten“ vorgebracht wird, und „die alles verbieten wollen“. Man könnte sagen: Das Gegenteil ist der Fall. 

Was man allerdings dazu sagen muss: Der Begriff „Rassismus“ ist sehr emotional besetzt und alles andere als klar definiert. Viele Menschen verbinden damit extreme Formen wie Sklaverei oder Judenverfolgung und fühlen sich in ihren Gefühlen verletzt, wenn man ihnen Rassismus vorwirft. Diese extreme Form des Rassismus trifft auf Karl May und sein Werk eindeutig nicht zu. Aber die Wissenschaft subsumiert unter Rassismus noch viel mehr, deutlich „harmlosere“ Effekte, wie zum Beispiel die Zuweisung von Stereotypen. Dabei geht es nicht um „political correctness“ oder dass man ja irgendwie „die Gefühle von anderen verletzt“. Es geht darum, dass Menschen das Recht haben sollen, dass man ihnen unvoreingenommen entgegentritt und dass sie das Bild selbst bestimmen können, was man von ihnen hat. Auch das ist Freiheit. Solche Form von Rassismus ist oft „gut gemeint“, vielfach geschieht sie auch gar nicht bewusst, es gilt aber trotzdem als Rassismus. 

Karl May hat ohne Zweifel das Bild, was Menschen von den „American Natives“ haben, die wir Indianer nennen, massiv mitgeprägt. Und er hat ein Bild gezeichnet, was wir als „edel“ und „positiv“ empfinden, was den Vorwurf von Rassismus absurd erscheinen lässt: Dass Kinder so gerne Indianer spielen, ist ohne Frage Karl May zu verdanken. Allerdings könnte das Bild, das Karl May und seine Werke vermitteln, nicht weiter von der Wirklichkeit entfernt sein. Nicht im Großen, weil die amerikanischen Ureinwohner nicht zuvorderst ein „edles Volk“ sind, sondern ein Volk, die Opfer eines Angriffskrieges waren, und an denen ein Genozid verübt wurde, der in der Auswirkung mit den Gräueltaten des Nationalsozialismus vergleichbar ist: mit jeweils sechs Millionen toten Juden und sechs Millionen toten Indigenen. Und nicht im Kleinen, weil nur die Indianer im Film ständig „“How“ und „Hugh“ sagen, weil „Squaw“ eigentlich die Bedeutung von „Hure“ hat,  Indigene keine „rote Haut“ haben, nicht im Krieg „heulen“ und durchaus auch Schmerz kennen und so gar nichts mit der romantischen Folklore zu haben, die in den Werken vermittelt. So wie Deutsche nicht alle Lederhosen und Pickelhaube tragen und den ganzen Tag nur Bier trinken und Schweinshaxe essen. 

Und leider muss man auch sagen, dass nicht alle in der Lage sind, das Fiktive der Erzählungen klar zu erkennen. Zweifelsohne transportiert „Winnetou“ sehr viele, sehr positive Werte: Es geht bei Winnetou um Freundschaft, um Überwindung von Grenzen, um Völkerverständigung und um Frieden. Nur ist das auch eingebunden in kitschige, romantische Folklore, die Heroisierung des Kolonialismus, die Stereotypisierungen von „Indianern“ und vielem mehr. 

Das muss man im Kontext der Zeit sehen, und man muss weder Karl May noch das Werk deswegen verdammen, geschweige denn verbieten. Aber es lohnt sich doch, das etwas differenzierter zu sehen. Auch und gerade deswegen, weil es nicht um Oger, Na’vi, sprechende Bienen, Ritter, Prinzessinnen, Orks oder Hobbits geht, die alle fiktive Gestalten sind. Die Geschichten von Karl May handeln von Menschen, die es tatsächlich gibt, und die Geschichten von Karl May wirken so echt, dass die Grenzen von Fiktion und Erlebnisbericht verschwimmen. 

Die Debatte wäre eine gute Gelegenheit gewesen, dass jeder in Deutschland seinen eigenen Rassismus reflektiert und in Zukunft vielleicht etwas bewusster umgeht. Und man hätte überlegen können, wie man das auch Kindern gegenüber thematisiert. Das Geschrei wegen angeblicher Verbote oder Einschränkungen ist blanker Unsinn. Er verhindert einfach nur eine entspannte Auseinandersetzung mit dem Thema. 

Aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch viel sachliche Diskussionen gibt, dass es auch viele guten Journalisten gibt, und dass sich auch viele um eine konstruktive Diskussion bemüht haben. Die gehen in dem unglaublichen Geschrei aber unter. 

Das Entscheidende ist aber: Die Art und Weise, wie „Deutschland“ diese Debatte führt, führt nur zur weiteren Polarisierung und Emotionalisierung. Sie ist nicht, aber auch gar nicht geeignet, das zugrundeliegende Problem zu lösen.

Wir dürfen uns nicht einer radikalen Mehrheit unterwerfen!

Genau betrachtet gibt es aber noch eine andere Lesart als das „Medienversagen“. Denn was hier stattgefunden hat, ist ein sehr lauter, sehr gewalttätiger und ein sehr bedenklicher Aufschrei einer radikalen Mehrheit. 

Wir leben in einem freien Land. Und wir leben in einem Land, in dem Minderheiten, die lange diskriminiert wurden, immer mehr Rechte für sich beanspruchen. Und die greifen natürlich, (ur-)alte Privilegien an. Hier scheint es viele Menschen zu geben, die diese Privilegien mit allen Mitteln verteidigen wollen. Und man kann wirklich sagen, „mit allen Mitteln“. Denn sie schrecken vor fast nichts zurück: Denn es ist ja nicht nur ein erfundener Shitstorm. Da wird verdreht, übertrieben und verzerrt, fast bis zur Lüge. Da wird getrotzt, gestampft, geschrien und gemotzt. Da wird beleidigt, gehetzt, diffamiert und verunglimpft. Und dabei verlieren die Kritiker jedes Maß, bis hin zum Nazi- und einem Totalitarismus-Vergleich (Bücherverbrennung oder George Orwell). Die Mittel und Methoden erinnern sehr an die von Donald Trump. 

Bei Licht betrachtet war es wohl nur eine freie Entscheidung von Ravensburger, ein inzwischen als schlecht erkanntes Buch nicht verlegen zu wollen. Eine freie Entscheidung. Es passiert jeden Tag tausendfach, dass ein Verlag entscheidet, ein Buch nicht auf den Markt zu bringen. Es gibt in Deutschland keinen Zwang, etwas auf den Markt zu bringen, nur weil es irgendjemand will. Und es steht jedem anderen (Verlag) frei, das Buch zu veröffentlichen. Und ganz sicher ist die Demokratie nicht dadurch gefährdet, dass nicht noch ein Buch auf den Markt kommt. Es gibt schon drölfzighundertmillionen Bücher. Noch dazu, wo es sich um folkloristische Triviallitertur handel. 

Und natürlich darf jeder in einem freien Land sein Bedauern zum Ausdruck bringen. Nur wie gesagt: Dabei ist es nicht geblieben. Die Diskussion hat sich zu einem Gebäude aus Verdrehungen, Verzerrungen und Lügen entwickelt. Getrieben von rechten Populisten, skrupellosen Journalisten und ewig Gestrigen. Und ganz viele haben sich dafür instrumentalisieren lassen. 

Und das scheint mehr zu sein als ein Einzelfall. Genau die gleiche Mechanik wird zum Beispiel auch beim Thema Gendern angewendet. Oder beim Klimawandel. Oder beim Impfen. Man muss sich ja beim Gendern nur mal vor Augen führen: Hier wird ja allen Ernstes ein Gender-Verbot diskutiert, um einen nicht existierenden Gender-Zwang zu verhindern. Was bei Winnetou nur noch gefehlt hätte, wäre die Forderung gewesen, Ravensburger zu zwingen, das Buch auf den Markt zu bringen. 

Wir haben in Deutschland aktuell gefährliche Tendenzen, Vielfalt und Freiheit zu unterdrücken. Und das geschieht durch eine breite Diffamierung von allem, was progressiv, links, woke oder sonstwie verdächtigt wäre, den Status-Quo anzugreifen. 

Der Autor

Mirko Lange (Gründer Scompler)

Mirko Lange ist seit 27 Jahren Kommunikations-Berater und seit 2001 Dozent an mehreren Hochschulen. Er hatte ab 1999 eine der ersten Beratungsunternehmen für Online-PR in Deutschland und hatte sich ab dem Jahr 2008 einen Namen als erster Spezialist für Unternehmenskommunikation im Social Web gemacht. Hier hat er in den Jahren 2010 ff. unter anderem die Deutsche Bahn („Facebook-Ticket“) und Nestlé („Kitkat“) in der Krisenkommunikation beraten, über welche die ersten „Shitstorms“ in Deutschland hinwegzogen. In der Folge hat zum Beispiel die Deutsche Bahn ihre komplette Kommunikation auf das Social Web ausgerichtet, diesen Prozess hat Lange begleitet. Aus diesem Projekt entstand die Kommunikationsmanagement-Software Scompler. Scompler hat inzwischen mehr als 300 Kunden, unter ihnen 6 DAX-Unternehmen.

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Scompler schließt Finanzierungs­runde über 7 Mio. EUR ab

Wir freuen uns sehr darüber, dass wir unsere zweite Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen konnten. Mit dem frischen Kapital werden wir unser Team massiv verstärken, die führende Position des Content Command Centers im deutschsprachigen Raum auch international aufbauen und die Schnittstellen zu anderen Platt­formen ausbauen, wie zum Beispiel Microsoft, Adobe, Google oder Staffbase.